Incendie dans les archives municipales Trubschachen

03.05.2013 14:35:54 | COMVATION AG, System Comvation

Vor einem Monat wurde das Gemeindearchiv von Trubschachen durch den Brand auf der Gemeindeverwaltung stark beschädigt. Nun werden die Akten in Seftigen restauriert.

Papier ist ein geduldiges Speichermedium. In vielen Archiven lagern Dokumente, die 1000 Jahre alt sind – oder gar noch älter. Papier hat aber auch Feinde: zum Beispiel Feuer und Wasser. Mit diesen beiden Elementen machte die Gemeinde Trubschachen vor Monatsfrist auf schmerzliche Art und Weise Bekanntschaft: Der Brand im Gemeindehaus und die anschliessenden Löscharbeiten führten zu massiven Schäden im Archiv.

Erinnerung an Brandnacht
Einen Monat nach der Katastrophe zeigt sich Beat Fuhrer tief beeindruckt: «Ich wusste schon vorher, dass unser Archiv in guten Händen ist. Nun sehe ich persönlich, dass hier absolute Profis am Werk sind.» Der Trubschacher Gemeindepräsident steht in einem unscheinbaren Haus in Seftigen. Hier ist seit 15 Jahren die Firma Docusave am Werk. Ihre Mission: Sie rettet beschädigte Akten. Ein Firmenlogo oder gar eine Anschrift sucht man allerdings vergebens. Das hat seinen Grund: «Nicht selten geben uns unsere Kunden, zu denen etwa Kulturbetriebe oder auch Banken gehören, datenschützerisch hochsensible Daten in die Obhut. Da ist es besser, wenn nicht alle Welt weiss, wo wir sind», sagt Inhaber und Geschäftsführer Guido Voser.

Derweil riecht Fuhrer an einem halb verbrannten Ordner. Nach einigem Blättern stellt er fest: «Da sind Vormundschaftsakten drin.» Dann blickt er auf und merkt an: «Der Geruch weckt Erinnerungen an die Brandnacht.»

Aus Eis wird Wasserdampf
Genau 2,4 Tonnen Akten wurden von Trubschachen nach Seftigen geliefert – das ist rund die Hälfte aller Akten. «Wir haben sie unverzüglich eingefroren», erzählt Voser, der früher Chefrestaurator im Berner Staatsarchiv war. Der Gefrierprozess geht schnell: «Innert 24 Stunden können wir eine halbe Tonne Material auf minus 30 Grad schockgefrieren.» Das ist nötig, damit die Akten nicht mehr weiter schimmeln und quellen.

Anschliessend werden die Dokumente wieder aufgetaut. Und spätestens das ist eine Wissenschaft für sich. Die Akten werden in einer luftdichten Maschine vakuumiert und erwärmt – eine Woche oder mehr dauert dieser Prozess. Der Clou: Das Wasser, mit dem die Akten vollgesogen sind, geht vom festen Zustand direkt in den gasförmigen über. Oder anders gesagt: Das im Papier eingefrorene Wasser verwandelt sich in der luftleeren Umgebung direkt in Wasserdampf, der laufend abgesogen wird. «Damit verhindern wir, dass das Wasser dem Papier weiteren Schaden zufügt.»

Etwas mehr als 40 Schachteln mit getrockneten Akten sind an der Wand im Präsentationsraum aufgestapelt. Im Maschinenraum warten zudem Dutzende mit Dokumenten gefüllte Schachteln auf ihre Rettung. Ist das Gemeindearchiv Trubschachen ein grosser Auftrag? «Nein. – Klein ist er allerdings auch nicht», sagt Barbara Mordasini Voser, die mit ihrem Mann das elfköpfige Unternehmen führt. Der hoch spezialisierte Betrieb ist weltweit tätig. «Letzthin war mein Mann für einen Auftrag in Argentinien.»

Papierberg wird leichter
Fuhrer blickt etwas sehnsüchtig auf die Schachteln mit der Aufschrift «Trubschachen». «Diese Akten sind schliesslich das Gedächtnis der Gemeinde.» Vosers denken, dass der Gemeindepräsident noch etwa einen Monat auf die Akten wird warten müssen, bis alles trocken ist. Dann wird bei den stark beschädigten Dokumenten zu entscheiden sein, ob man sie noch weiter restauriert.»

Eines ist jedenfalls klar: Fuhrer wird nicht die 2,4 Tonnen Papier zurückbekommen, die er angeliefert hat. Voser schätzt, dass der Papierberg durch das Trocknen etwa noch 1,5 Tonnen wiegen wird. (Berner Zeitung)